ZDF liefert Videos für “Zeit-online”

23 06 2008

Vergangene Woche startete die Kooperation zwischen “DerWesten” und dem WDR, heute ziehen ZDF und die Wochenzeitung “Zeit” nach: Ab sofort wird eine Kooperation zwischen Zdf und ZeitKurzfassung der heute-Nachrichten “ZDF 100 Sekunden” bei “Zeit.de” integriert. Weitere Videobeiträge sollen folgen. Bei allen Beiträgen handle es sich um Inhalte, die das ZDF bereits für seinen eigenen Redaktionsbetrieb produziert hat, teilte das ZDF heute in einer Stellungnahme mit. Für die Zulieferung berechne das ZDF “marktübliche Preise”. Für ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender ist die Zusammenarbeit ein Beispiel dafür, wo die Netzwirklichkeit hingeht: “Die Trennung von Text, Bild und Ton wird es nicht mehr geben. Wer das annimmt, ist im letzten Jahrhundert verhaftet.” Das ZDF plane daher weitere Kooperationen mit Qualitätszeitungen.

Wie bei “DerWesten” stehen auch auf “Zeit.de” gebührenfinanziert hergestellte Inhalte neben Bannerwerbung und anderen Anzeigen. Bereits bei der Kooperation zwischen dem WAZ-Portal und WDR hatte das für Kritik gesorgt. Spiegel Online zitierte dazu Marc Jan Eumann, den medienpolitischen Sprecher der SPD und zugleich Mitglied des WDR-Rundfunkrats: “Das ist nicht im Sinne des Erfinders. Die Videos sollten auf werbefreien, eigenständigen Seiten laufen.” Die Diskussionen über Kooperationen zwischen Verlagen und öffentlich-rechtlichen Sendern dürften also weiter gehen.



Online-Features bei Video-Angeboten

20 06 2008

Es geht voran mit der Auswertung der Online-Videoangebote regionaler Tageszeitungen. Unter anderem habe ich mir auch angeschaut, welche onlinespezifischen Zusatzfunktionen den Nutzern geboten werden. Untersucht wurden hier die 73 Regionalzeitungen, die eigene Videos produzieren. Das Ergebnis ist mehr als durchwachsen: einen Kommentar direkt zum Video ermöglichen nur 17 Regionalzeitungen, RSS-Feed und Social Bookmarking-Möglichkeiten gibt es nur bei 11 bzw. 10 Onlineangeboten. Video-Download (6) oder die Angabe der URL (2) zum Einbinden in das eigene Angebot findet man nur in wenigen Fällen. Hier liegt großes Optimierungspotential, denn gerade diese Zusatzfunktionen sind es, die die Online-Kommunikation ausmachen, die sowohl eine direkte Interaktion zwischen Nutzer und Redaktion als auch der Nutzer untereinander ermöglichen. 

 

Zusatzfunktionen im Video-Angebot regionaler Tageszeitungen (Eigene Darstellung)  



DerWesten und WDR starten Kooperation

18 06 2008

Die ersten WDR-Videos auf dem WAZ-Portal “DerWesten” sind online. Damit startet die im März angekündigte und seit dem viel diskutierte Koorperation zwischen einem öffentlich-rechtlichem Sender und einem Zeitungsverlag. Ausgewählte Berichte der WDR-Sendungen DerWesten.de“Lokalzeit” und “Aktuelle Stunde” sind künftig kurz nach der Ausstrahlung im TV auf “DerWesten” abrufbar. Chefredakteurin Katharina Borchert sieht in der Koorperation, wie es dazu in einer StellungnahmeWDR heißt, vor allem die Chance, “unseren Nutzern deutlich mehr hochwertige Videobeiträge zu aktuellen Themen aus der Region anbieten zu können”. Die eigenen Videoaktivitäten sollen gleichzeitig wie geplant fortgesetzt werden. Vorteile der Kooperation sieht auch WDR-Intendantin Monika Piel: “Wir machen die Nutzer von ‘DerWesten.de’ auf unsere Programme aufmerksam.” Zudem würde der Gebührenzahler entlastet, wenn sich aufwendige Magazinbeiträge durch Verkauf an Dritte refinanzieren ließen, so Piel auf “DerWesten”.

Der erste WDR-Beitrag, der online gestellt wurde, ist ein Beitrag aus der Lokalzeit Ruhr. Thema: Der Umbau des Hauptbahnhofs in Essen. Das Video ist vollständig in das ”DerWesten”-Layout integriert und so auf den ersten Blick von den eigenproduzierten Videos kaum zu unterscheiden. Wie die “DerWesten”-Videos können die WDR-Beitäge kommentiert werden, was die Nutzer auch reichlich tun. Bis heute 17.00 Uhr wurde das erste WDR-Video bei “DerWesten” schon 19 mal kommentiert, in der WDR-Mediathek wurde das gleiche Video dagegen noch nicht kommentiert. Traffic und Klicks bei “DerWesten” also und diskutiert wird über einen WDR-Beitrag. So ähnlich drüften sich das die Verantwortlichen vorgestellt haben.



Online-Videos bei österreichischen Tageszeitungen - Teil 2

17 06 2008

Österreich ist geschlagen und auch der Boulevard hat sich wieder beruhigt. Die Zeitung “Österreich” stimmt heute versöhnliche Töne an und gratuliert zum “durchaus nicht unverdienten” Sieg der deutschen Nationalmannschaft. Kurz nach der österreichischen Niederlage war auch bereits ein Video zum Spiel mit Reaktionen der Fans online. Teil 2 der Analyse von Online-Videos österreichischer Tagezeitungen, heute die im September 2006 gestartete Tageszeitung “Österreich”:

Mediathek der Zeitung Einbindung in das Angebot:  Wie bei der “Kronen Zeitung” gibt es zwei Möglichkeiten, das Online-Videoangebot der Zeitung “Österreich” zu erreichen: Zum einen durch Teaser auf der Startseite, die zur Mediathek führen, die sich dann als Pop-up in einem neuen Fenster öffnet. Zum anderen sind Videos in Artikel eingebunden und können dort auch direkt abgespielt werden.

Inhalte & Darstellungsformen: Die Videos werden in der Mediathek in den folgenden neun Kategorien geordnet: Nachrichten, Euro08, Sport, Leute, Musik, Kino & TV, Fashion, Life, Schräges. Fast alle Videos sind sehr kurz, teilweise sogar nur 20 Sekunden lang. Ungewöhnlich: bis auf wenige Ausnahmen sind die Videos ohne Off-Kommentar, zu hören ist nur die Original-Atmo.  weiter…



Online-Videos bei österreichischen Tageszeitungen - Teil 1

16 06 2008

Noch wenige Stunden bis zum Spiel Deutschland gegen Österreich, und auf beiden Seiten schießt sich der Boulvard schon mal warm. “Auf Wienersehen, ihr Ösi-Würstchen!” titelt heute die Bild und Bild.de erklärt, “Warum die “Ösis Dösis sind”. Auf der Gegenseite betitelt die Zeitung “Österreich” Torwart Jens Lehmann als “Jens Flattermann” und nennt Abwehrspieler Christoph Metzelder ”Christoph Netzt Selber”. Deutschland gegen Österreich, für mich Grund genug, mir die Online-Videoangebote österreichischer Zeitungen anzuschauen. Exemplarisch werde ich heute das Angebot der bei weitem auflagenstärksten österreichischen Tagezeitung “Kronen Zeitung” (verkaufte Auflage: 847.000) und morgen das Angebot der im September 2006 gestarteten Zeitung “Österreich” (170.000) analysieren. 

Mediathek der KronenzeitungEinbindung in das Angebot: Es gibt zwei Möglichkeiten, das Online-Videoangebot der “Kronen Zeitung” zu erreichen: Zum einen über eine Infobox in der rechten Spalte der Startseite, in der Videos geteasert werden, zum anderen durch einen direkten Link beim Artikel, zu dem es ein passendes Video gibt. In beiden Fällen gelangt man zur Mediathek, die sich als Pop-up in einem neuen Fenster öffnet. Von der Mediathek zurück zum Artikel gibt es allerdings keine Verlinkungen.

Inhalte & Darstellungsformen: Die Videos sind geordnet in fünf Kategorien: Nachrichten, Euro2008, Kino, Music und Steil (würde ich mit Kurioses übersetzten). Die Videos zu nationalen und internationalen Themen genauso wie zur Euro2008 werden geliefert von der österreichischen Nachrichtenagentur APA.  weiter…



Wo liegt die Zukunft des Bewegtbildes?

13 06 2008

Mögliche Antworten auf diese Frage geben die Blogpilotenin einem Themenschwerpunkt seit Anfang der Woche. Vorgestellt wird u.a. die Webseite Hobnox, Gewinner des Grimme Online Awards 2008 in der Blogpiloten.deKategorie Spezial. Hobnox bietet zum einen in verschiedenen Videochannels Konzerte, Reportagen, Interviews und Nachrichten, zum anderen aber auch die Möglichkeit eigene Videos und Sendungen mit Hilfe von online bereitsgestellten Audio- und Videoschnittprogrammen zu produzieren. In der angeschlossenen Community können zudem Ideen zu Videos und gemeinsamen Projekten ausgetauscht werden. Bei Hobnox kann der Nutzer also beides gleichzeitig sein: Konsument und Produzent. Sieht so die Zukunft des Fernsehen aus? Dazu gibt es bei den Blogpiloten ein Video-Interview mit einem der Macher von Hobnox, für den das klassische Fernsehen noch lange nicht tot ist. Außerdem im Themenschwerpunkt bis heute, ein Beitrag zur zur Pro7 Internetsoap Gina-Lisas Welt und zur Plattform Second Brain.



Die drei Leben der Zeitung

10 06 2008

Zweiter Tag beim Medienforum NRW, gerade ist die Diskussion „Verlagsindustrie im Umbruch – Strategien, Produkte, Geschäftsmodelle“ zu Ende gegangen. Auf dem Podium saßen u.a. Katharina Borchert (WAZ), Clemens Bauer (Rheinische Post) und Horst Pirker (Styra Media AG), der auch die Keynote zur Veranstaltung beisteuerte. Pirkers Botschaft: das oft propagierte Ende der Zeitung ist noch lange nicht in Sicht. Vielmehr habe die Zeitung drei Leben, von denen zwei noch nicht gelebt seien. Die deutschen Zeitungen befänden sich noch fast alle in Leben 1, dem Leben als Kaufzeitung. Darauf folge dann Leben 2 als Hybrid, als Mischung unterschiedlicher Geschäftsmodelle (z.B. eine Variante als Kaufzeitung, eine abgespeckte Variante als Gratiszeitung). In Leben 3 werde die Zeitung dann komplett als Gratisprodukt vertrieben. Die Chancen der noch ausstehenden Leben laut Pirker: „Reichweiten zu erzielen, wie sie überhaupt noch nie erzielt wurden.“ Die gesamte Keynote und die anschließende Diskussion sind online verfügbar und können hier abgerufen werden.

Morgen geht es ab 10.00 Uhr um das Thema Konvergenz mit dem Untertitel: „Jederzeit und überall: Wer kann sich das leisten?“ Es diskutieren u.a. Olaf Koenen (Electronic Arts), Philipp Schnidler (Google) und Achim Berg (Microsoft). Moderiert wird die Veranstaltung von RTL-Anchor Peter Kloeppel. Die Veranstaltung wird wieder live im Netz übertragen. Zum Stream geht es hier.



Nutzung von Online-Videos steigt weiter

10 06 2008

Die ersten Ergebnisse der aktuellen ARD/ZDF-Online-Studie sind da, heute veröffentlicht in einer kurzen Pressemitteilung. Demnach steigt die Internetverbreitung in Deutschland weiter an: 42,7 Millionen Erwachsene sind Online, im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 1,9 Millionen. Hauptgrund für das Wachstum ist die gestiegene Zahl der „Silver Surfer“: Von den über 60-jährigen nutzen mittlerweile 29,2 Prozent das Internet, vor einem Jahr wahren es noch 22,7 Prozent.

Ebenfalls gestiegen ist die Zahl der Breitbandanschlüsse, 70 Prozent der Onlinenutzer verfügen über einen DSL/Breitbandanschluss, vor einem Jahr waren es noch 59 Prozent. In Folge dessen stieg auch die Nachfrage nach Multimedia-Anwendungen im Netz: 55 Prozent aller Onliner rufen Videos ab und schauen live oder zeitversetzt Fernsehen im Internet (2007: 45 Prozent). Der Intendant des Hessischen Rundfunks und Vorsitzende der ARD/ZDF-Medienkommission Dr. Helmut Reitze sieht in den veränderten Nutzungsgewohnheiten eine große Chance für die Mediatheken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: “Neben unseren linearen Programmen in Radio und Fernsehen spielen Audios und Videos auf Abruf im Internet eine immer größere Rolle. Wir verfügen über hochwertige Inhalte, die wir unserem Publikum auch in Zukunft zeitunabhängig und mit einer Fülle von Zusatzinformationen bereitstellen können.”

Reitzes Statement zeigt: Der Donnerstag rückt näher und damit die Verhandlungen der Ministerpräsidenten über den neuen Rundfunkstaatsvertrag und die Online-Aktivitäten von ARD und ZDF.



Europermeisterschaft in 3D

9 06 2008

Keine Rechte für Bewegtbilder von der EM? Dieses Problem haben fast alle Nachrichtenportale, die in Online-Videos über die Fußball-Europameisterschaft berichten. Lösung 1: Statische Bilder von Spielszenen in den Beitrag einbinden, ein wenig ein und auszoomen und den Sprechertext drüberlegen. Bei weitem nicht so elegant wie Lösung 2: Spielszenen und Tore werden in 3D-Animationen umgesetzt und wie Originalbilder eingebunden. So machen es beispielsweise Kicker und Spiegel Online, aber auch FAZ und BILD, alle in Zusammenarbeit mit dem Sportdatenvermakter Opta.

Die Entscheidung: Lukas Podolski trifft zum 2:0 gegen Polen (Quelle: Spiegel Online).

Ähnlich bringt auch Microsoft 3D-Animationen von der EM ins Netz. Jeden Morgen ab 8.00 Uhr sind Spielszenen und Tore aus verschiedenen Kameraperspektiven abrufbar, dazu gibt es Statistiken und Analysen. Um das ganze ansehen zu können, muss allerdings die Microsoft Flash-Alternative Silverlight installiert werden. Wie turi2.de berichtet, produziert Microsoft das Angebot gemeinsam mit der dpa-Tochter dpa-infocom. Obwohl die Uefa wohl wenig erfreut sein dürfte, rechtliche Probleme gebe es laut dpa-infocom-Geschäftsführer Meinolf Ellers keine: „Unsere Rechtsexperten haben das System abgeklopft und werten die Bilder als eigenes Werk.“



Der Friedhof für YouTube-Videos

5 06 2008

Das YouTube-Archiv ist riesig, auf der Suche nach Musikvideos oder Ausschnitten aus verpassten Fernsehsendungen und Filmen wird man fast immer fündig. Fast immer, denn manche Videos, die man bei YouTube vermutet sind dann doch nicht auffindbar. Ein möglicher Grund: sie wurden wegen Copyright-Verletzungen oder des Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen gelöscht. Welche Inhalte das sind, wann und warum sie gelöscht wurden, das bleibt in der Regel das Geheimnis von YouTube. Bis jetzt: denn die Seite YouTomb, ein Forschungsprojekt des Massachusetts Institute of Technologie (MIT), will transparent machen, wie YouTube selektiert und wer Videos löschen lässt.

Heute gelöscht: Eine Szene aus dem Film “Litle Miss Sunshine” (Quelle:YouTomb)

Die Website ähnelt der von YouTube: kleine Screenshots zeigen Szenen aus den Videos, dazu gibt es Informationen, wer das Video hochgeladen hat, wie oft es angesehen und wann es gelöscht wurde und wer dafür verantwortlich ist. Heute beispielsweise gelöscht: ein Metallica Konzertmittschnitt, Ausschnitte aus der Serie „Verliebt in Berlin” und Szenen aus der Casting Show „American Idol”. Angesehen werden können die gelöschten Videos bei YouTomb allerdings nicht.  

 Via Sueddeutsche.de